Rückblick

Rückblick

Außergewöhnliches Konzertereignis in St. Gallus:
Frohsinn Oppershofen und Konzertchor Ravensburg führen Messiah auf

21. Februar 2016

Aufführung Rockenberg

Bild: Bernd Burkard

Unter dem Dirigat von Martin Winkler laufen Chöre, Solisten und Instrumentalisten zu Hochform auf

An diese Oratorienaufführung des Frohsinn Oppershofen am Sonntag in der Rockenberger St. Gallus Kirche wird man wohl noch lange gern zurückdenken. Der hoch motivierte gemischte Chor hatte mit der Aufführung von Händels Messiah ein Mammut-Projekt mit dem Ravensburger Konzertchor (Leitung Hans Georg Hinterberger), vier jungen Barocksolisten und dem überragenden Barockorchester L'arpa festante mit dem Konzertmeister Christoph Hesse zu einem großartigen Abschluss gebracht.

Dirigent Martin Winkler und sein Kollege Hans Georg Hinterberger arbeiten seit ihrer Zeit an der Heidelberger Musikhochschule erfolgreich zusammen. So entstand die Idee eines gemeinsamen Messias-Projektes. An lediglich zwei Probentagen in Maulbronn probten die 100 Choristen zusammen und erschlossen sich ein homogenes und beindruckend transparentes Klangbild für die ausgefeilte Interpretation der anspruchsvollen und virtuosen Chorpartien in Händels Meisterwerk.

Am Samstag, 20.02.2016 wurde das Oratorium zunächst in Ravensburg in der Evangelischen Stadtkirche aufgeführt. Siehe dazu den Bericht zur Messias-Reise sowie den Konzertbericht in der Schwäbischen Zeitung als PDF.

Aufführung Rockenberg

Der Frohsinn-Vorsitzende Bardo Weinert begrüßt die Besucher.

Bild: Bernd Burkard

Als dann am Sonntag die ersten Takte der Ouvertüre erklangen, spürte jeder in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche, dass dies ein besonderer Konzertabend werden würde. Die aus ganz Europa angereisten Barockspezialisten von L'arpa festante (»Die festliche Harfe«) schlugen sofort die Zuhörer in ihren Bann. Eine ungemein lebendige Spielfreude verband sich mit Virtuosität, Hingabe an das Werk und Sensibilität für eine tiefe Ausdeutung barocker Affekte, sodass die zweieinhalbstündige Aufführung wie im Fluge verging.

Junge Barocksolisten überzeugen

Die Sopranistin Renata Grunewald, obwohl gesundheitlich angeschlagen, brillierte mit großer Virtuosität in den koloraturträchtigen Arien (»Rejoice«) und zu Herzen gehendem Ausdruck in den lyrischen Partien (»I know that my redeemer liveth«).

Die Altpartien waren bei Beate Leisner in besten Händen: Mit warmer Stimmgebung lotete sie ihre ergreifenden langsamen Arien aus (»He was despised«). Die dramatischen Partien sang sie mit fokussierter Strahlkraft (»But who may abide«).

Aufführung Rockenberg

Altistin Beate Leisner

Bild: Bernd Burkard

Florian Bauer glänzte in seinen Tenor-Arien mit souveräner Stimmführung (»Comfort ye«) und tragendem metallischem Kern (»Every Valley«).

Aufführung Rockenberg

Tenor Florian Bauer

Bild: Bernd Burkard

»The trumpet shall sound« und »Why do the nations« sind die beindruckenden Bassarien, in denen sich Dirk Schneider mit kerniger Stimmgebung und geschmeidiger Virtuosität auszeichnete.

Aufführung Rockenberg

Bassist Dirk Schneider

Bild: Bernd Burkard

Neue Hörerfahrungen

Das Chorensemble beeindruckte mit fein ausbalanciertem Klangbild und interpretatorischem Tiefgang. Hier erlebte man einen Chor, der um die theologische Ausdeutung des Werks wusste und dies vor allem durch eine selten zu hörende Textphrasierung untermauerte. In dieser Hinsicht gab es viele »neue« Hörerfahrungen in der beeindruckenden Gesamtinterpretation des Händelschen Meisterwerkes, die an vielen Stellen für Gänsehaut pur sorgte. Die »suchende« Bass-Arie »The people that walked in the darkness« wurde metrisch ungebunden, textgemäß bis in alle Details ausgelotet. Auch wird man das berühmte »Halleluja« des Chores mit Pauken und Trompeten in seinen feinen dynamischen Abstufungen ins Herz geschlossen haben.

Aufführung Rockenberg

Martin Winkler dirigiert die beiden Chöre und das Orchester L'arpa festante.

Bild: Bernd Burkard

Dirigent Martin Winkler führte sein begeisterndes Ensemble mit würdevoller Erhabenheit zum großen, allumfassenden Schluss-Amen, bevor das enthusiastische Publikum alle Ausführenden mit langen Ovationen feierte.

Wie zu Händels Zeiten

Ein großes Kompliment gilt auch dem Publikum in St. Gallus: Entgegen heutiger eher steifer Gewohnheit bei klassischen Konzerten nutzte es die Stimmpausen zwischen den drei Teilen des Oratoriums für herzlichen Applaus (wie kann man auch nach Erklingen des mitreißenden Hallelujas nicht klatschen?) und anschließend, um Nachbarn zu begrüßen, frische Luft zu schnappen und sich zu bewegen. So konnte es dann im zweiten und dritten Teil der Aufführung höchst konzentriert zuhören, schaffte es dabei aber auch, seine Begeisterung durch leuchtende Augen oder besinnliche Blicke zum Ausdruck zu bringen - für die Musizierenden eine äußerst anregende, motivierende Atmosphäre.

Die meisten Besucher waren Ortsansässige, viele hatten ihre Kinder mitgebracht, die in Rockenberg lebenden Flüchtlinge waren eingeladen und gekommen, der Bürgermeister verteilte am Ende Rosen und die wie sonst nie gefüllte Kirche erstrahlte durch die Vielfalt der Besucher und Musizierenden in barockem Glanz - ganz ähnlich stellt man sich die Stimmung bei Aufführungen zu Händels Zeiten vor!

Die Frohsinnler feierten im Anschluss die gelungene Aufführung und verabschiedeten Solisten, das Orchester und ihren Partnerchor Ravensburg in der Hoffnung, die fruchtbare Zusammenarbeit in Zukunft zu wiederholen.

Aufführung Rockenberg

Bild: Bernd Burkard

von Martin Winkler und Stephanie Roth / Wetterauer Zeitung vom 26.02.2016

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Chorprobe

Dienstag von 20:15 bis ca. 22:00 Uhr

im Pfarrheim St. Bardo

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